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Tätigkeitsbericht des Vorstandes für die MV vom 10. Mai 2009
Bündnis gegen Kinderarmut durch Hartz IV
Im April 2008 hat sich ein bundesweites Bündnis gegründet mit
dem einzigen Ziel, die Rücknahme der Senkung der Regelsätze von 7 bis
17-jährigen Kindern im Hartz IV-Bezug durchzusetzen. Klartext und eine Reihe
seiner Mitglieder haben sich von Anfang an daran beteiligt. Über 250
Organisationen und Initiativen haben die Plattform des Bündnisses
unterzeichnet. Mehr als 6.000 Unterschriften wurden gesammelt, darunter nicht
wenige von Klartext-Mitgliedern.
Klartext hat zusammen mit dem Rhein-Main-Bündnis eine
Broschüre "Fördern durch Kürzen" herausgegeben, in der die
Aberkennung des Wachstumsbedarfs von Kindern ab dem Schulalter durch die
Bundesregierung angegriffen wurde. Der Bedarf von unter 14-jährigen
Schulkindern war mit Einführung von Hartz IV mit dem von Säuglingen
gleichgesetzt worden. Diese Broschüre hat wie die Broschüre „Ein Hartz für
Kinder" vom März 2007 eine Auflage von über 5.000 Exemplaren.
Rainer Roth hielt zum Thema Aberkennung des Wachstumsbedarfs
Vorträge in Mühlheim, Stuttgart, Aschaffenburg, München, Frankfurt und
Gießen. Sie wurden teilweise auf unserer Website und der Website des
Bündnisses veröffentlicht (www.kinderarmut-durch-hartz4.de). Wir haben mit
dazu beigetragen, dass die Bundesregierung an zwei Punkten ihren heftigen
Widerstand aufgab und im Oktober 2008 ein Schulbedarfspaket über 100 Euro ab
dem Schuljahr 2009 beschloss. Im Januar folgte dann die Rücknahme der Senkung
des Regelsatzes von Schulkindern unter 14 ab 1. Juli 2009. Beides allerdings
nicht, um Schul- und Wachstumsbedarf grundsätzlich wieder anzuerkennen, sondern
um im Rahmen von Konjunkturpaketen den Umsatz von Unternehmen anzukurbeln, um
die Krise zu „bekämpfen"..
Das Bündnis hat an einem Aktionstag am 14. März die sofortige
Rücknahme der Regelsatzkürzung auch von Jugendlichen verlangt. In über 50
Städten und Orten wurden dazu über 10.000 Flugblätter verteilt, die von
Klartext finanziert wurden.
Bündnis für 500 Euro Eckregelsatz
Das Bündnis gegen Kinderarmut durch Hartz IV hat seinen
Schwerpunkt inzwischen auf die Forderung nach mindestens 500 Euro Eckregelsatz
verlagert, verbunden mit der Forderung nach mindestens zehn Euro Mindestlohn.
Die sofortige Rücknahme der Kürzung bei Jugendlichen wird weiterhin gefordert.
Das Bündnis, dem außer dem ABSP, dem Rhein-Main-Bündnis, Tacheles, dem
Erwerbslosenforum, der Sozialen Bewegung Brandenburg und der BAG Prekäre
Lebenslagen auch Klartext angehört, hat ein Flugblatt von Klartext zur 500
Euro-Forderung als Vorlage für ein neues Flugblatt genommen. Aus über 35
Städten und Orten wurden mehr als 19.000 Flugblätter bestellt, um sie am 1.
Mai zu verteilen. Klartext hat auch diese Flugblätter finanziert.
Die von Klartext schon im September 2005 entwickelte und in
Thesen begründete Forderung nach mindestens 500 Euro gewinnt mehr und mehr
Zustimmung, auch in der Linkspartei und in den Gewerkschaften.
Rainer Roth hielt Ende November 2008 dazu auf einer
Veranstaltung des Sozialforums Dortmund einen Vortrag, der ausführlich
nachwies, dass der im Regelsatz enthaltene Betrag für Ernährung von 3,85 Euro
pro Tag nur für eine Mangelernährung reicht (www.klartext-info.de) Da dieser
Betrag auch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, von ver.di und der Linkspartei
im Rahmen ihrer Forderungen nach 435 Euro anerkannt wird, ergibt sich vor allem
daraus die Notwendigkeit einer Erhöhung des Eckregelsatzes auf mindestens 500
Euro.
Flugblatt: Wovon sollen Kinder leben?
In Rauenthal haben wir ein Flugblatt erarbeitet, in dem die
Verdopplung des Kindergelds gefordert wird. Die Erhöhung des Kindergelds auf
das sogenannte „sächliche Existenzminimum" von z.Zt. 322 Euro wird
grundsätzlich auch von den Arbeitgeberverbänden, vom DGB, von SPD und Grünen
gefordert. Die Forderung spiegelt wider, dass die Differenz zwischen Kindergeld
(z.Zt. 164 €) und offiziellem Existenzminimum immer weniger im Lohnniveau
enthalten ist. Belässt man es bei dieser Forderung oder steigert man sie sogar
auf noch höhere Beträge für eine Kindergrundsicherung, die unabhängig vom
Einkommen für alle Kinder ausgezahlt werden sollen, könnten die
Unterhaltungskosten des Nachwuchses der bestehenden Arbeitskräfte vollständig
aus dem Lohn herausgenommen werden.
Um dem Ausbau des Kindergelds als Lohnsubvention
entgegenzutreten, fordert Klartext, dass das verdoppelte Kindergeld über eine
Umlage vom Kapital insgesamt getragen werden muss. Rainer Roth hat zu diesem
Thema in Witzenhausen und Tübingen Vorträge gehalten.
Das Flugblatt „Wovon sollen Kinder leben?" schließt
nahtlos an unser Flugblatt „Kein Lohn unter zehn Euro" an, das wir
Ende 2007 entwickelt haben. Dieses ist nach wie vor das z.Zt. einzige in
Deutschland zu diesem Thema. Mit zehn Euro pro Stunde sind die
Reproduktionskosten der Arbeitskraft insgesamt nicht gedeckt, weil auch davon
der Nachwuchs nicht unterhalten werden kann. Wir sollten in Zukunft fordern,
dass zehn Euro lohnsteuerfrei sind. Das Existenzminimum eines Lohnabhängigen
darf nicht besteuert werden.
Flugblatt: 30 Stunden sind genug!
Im Ergebnis unseres 2008er Treffens in Rauenthal haben wir dazu
ein weiteres Flugblatt entwickelt, das ebenfalls zur Zeit das einzige in
Deutschland zu diesem Thema ist. Die Wirtschaftskrise hat das Thema
Arbeitszeitverkürzung wiederbelebt. Deshalb ist ein gewisses Interesse für das
Flugblatt zu spüren. Reinhard Frankl hat ein Lied zur 30 Stunden-Woche
geschrieben, das auch auf unserer website steht. Es wurde bei der Demo am
28.März auf der Kundgebung in Frankfurt vom Alstom-Chor aus Mannheim gesungen.
Finanz- und Wirtschaftskrise
Klartext und das Rhein-Main-Bündnis haben eine Broschüre von
Rainer Roth mit dem Titel „Sie kriegen den Karren nicht flott"
herausgegeben. Sie erschien kurz vor den Demos am 28. März. Innerhalb weniger
Wochen sind 2.000 Ex. in Umlauf gekommen. Das Interesse ist groß, die bisherige
Resonanz sehr positiv. Allein auf der Demo am 28.3. in Frankfurt haben wir 175
Broschüren verkauft. Rainer Roth hat zu diesem Thema Vorträge in Wiesbaden,
Frankfurt und Bochum gehalten.
Unter dem Motto: „Geier Sturzflug – Euer Geld, des wird
verschluckt. Mir senke des Bruttosozialprodukt" haben wir am Faschingsumzug
in Heddernheim teilgenommen. 10 als Geier verkleidete Banker und
Konzernvertreter boten die Kulisse dafür. Diesmal funktionierten die
Lautsprecher, aus denen ununterbrochen das Geierlied mit dem von Reinhard Frankl
umgedichteten und gesungenen Text dröhnte. Den mitgeführten Bus zierten rechts
und links selbst gemalte große Geier im Sturzflug. Auf dem Heck stand: „Geier
Tours – mit uns fliegen sie richtig". Die Reaktion der Zuschauer war
überwältigend positiv. Dreimal waren wir im hessischen Fernsehen zu sehen.
Klimakatastrophe
Dieter Stein hat auf seinen vielfältigen Veranstaltungen
bundesweit an die 1.000 Klartext-Flugblätter zum Thema Emissionshandel unter
die Leute gebracht.
www.klartext-info.de
Die Besuche auf unserer Website sind deutlich gestiegen. Von
Januar 2008 bis zur MV im Mai 2008 lagen die Sessions im Durchschnitt bei 2.220,
von Juni bis Oktober stieg der Durchschnitt auf 2.730. Von November bis April
2009 stieg er sprunghaft auf 7474. Im April 2009 gab es mit 10304 mehr als
dreimal so viele Sessions wie im April 2008 mit 3334. Möglicherweise hat dazu
beigetragen, dass wir ab Juli 2008 den Mitgliederrundbrief durch einen
newsletter per mail abgelöst haben. Im November 2008, Februar und März 2009
erschien jeweils ein newsletter. Newsletter kosten weniger Zeit und sind
aktueller. Außerdem sind sie billiger. Nochmals unsere Bitte an alle: Bitte
Mailadresse und ihre Änderungen mitteilen. An diejenigen, die keine Mailadresse
haben, verschicken wir natürlich noch Post. Wir können aber keine Vorträge
oder andere Dokumente per Post verschicken, nur Flugblätter.
Mitglieder
Von Mai 2008 bis Ende April 2009 haben wir fünf neue Mitglieder
gewonnen und 4 durch Tod, Ausscheiden mangels Beitragszahlung oder Austritt
verloren. Wir haben jetzt 116 Mitglieder. Wir bitten alle Mitglieder zu
überlegen, wen sie als Mitglied für Klartext gewinnen können.
Verschiedenes
Das letzte Wochende in Rauenthal war gut besucht und produktiv.
Allen hat es gefallen, neue Dinge zu entwickeln und zu planen. Das nächste
Wochenende in Rauenthal findet vom 3. bis 5. Juli 2009 statt. An
Themenvorschlägen gibt es bis jetzt:: ein Flugblatt zum Thema, wie die
Verstaatlichung der HRE der Deutschen Bank nützt, entwickeln und ein Flugblatt
zur Rente mit 60 vorbereiten.
Mai 2009 Reinhard Frankl, Rainer Roth und Su Schilling
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